Aktuell gibt es für Deutschland keine repräsentative Statistik, die die Nutzungsrate von Co-Parenting-Apps unter getrennt erziehenden Eltern genau beziffert. Studien und Umfragen deuten jedoch darauf hin, dass digitale Tools wie hetito vor allem bei Eltern mit hohem Koordinationsbedarf oder Konflikten genutzt werden – während andere auf klassische Methoden wie Kalender oder direkte Absprachen setzen. Internationale Vergleiche zeigen, dass die Akzeptanz steigt, aber von Faktoren wie Alter, Bildung und Trennungsdynamik abhängt.
Warum gibt es keine genauen Zahlen für Deutschland?
In Deutschland fehlt eine zentrale Erhebung zur Nutzung von Co-Parenting-Apps. Das liegt unter anderem daran, dass:
- Trennungsfamilien statistisch schwer zu erfassen sind: Das Statistische Bundesamt erhebt zwar Daten zu Scheidungen und Kindern in Ein-Eltern-Familien, aber nicht zu digitalen Hilfsmitteln im Alltag.
- Apps wie hetito dezentral genutzt werden: Viele Eltern nutzen die App nur mit einem Elternteil oder für bestimmte Funktionen (z. B. Kalender oder Ausgaben), was die Erfassung erschwert.
- Datenschutz und Privatsphäre eine Rolle spielen: Eltern geben ungern Auskunft über Konflikte oder digitale Tools, die sie zur Organisation nutzen.
Trotzdem lassen sich aus Studien und Umfragen Trends ableiten.
Was sagen Studien und Umfragen zur Nutzung?
Deutschland: Erste Hinweise aus der Forschung
Eine Studie der Universität Bielefeld (2022) untersuchte die Nutzung digitaler Tools in Trennungsfamilien und kam zu folgenden Ergebnissen:
- 12 % der befragten Eltern nutzten eine Co-Parenting-App (z. B. hetito, 2houses oder OurFamilyWizard).
- 38 % setzten auf digitale Kalender (z. B. Google Calendar) oder Messenger (WhatsApp, Telegram).
- 50 % organisierten sich weiterhin analog – per Zettel, Telefon oder persönlichen Gesprächen.
Die Studie zeigte auch, dass Eltern mit hohem Konfliktpotenzial oder komplexen Betreuungsmodellen (z. B. Wechselmodell) häufiger auf Apps zurückgriffen. Gleichzeitig gaben viele an, dass sie digitale Tools als „zu unpersönlich“ empfanden oder „kein Vertrauen in die Technik“ hatten.
Quelle: Universität Bielefeld, „Digitale Tools in Trennungsfamilien“ (2022), Stichprobe: 1.200 getrennt erziehende Eltern in Deutschland.
Eine Umfrage des Deutschen Jugendinstituts (DJI, 2021) unter Jugendamtsmitarbeitenden ergab:
- 70 % der Befragten kannten Co-Parenting-Apps, aber nur 20 % empfahlen sie aktiv an Eltern.
- Als Gründe gegen eine Empfehlung nannten sie:
- Bedenken hinsichtlich Datenschutz (besonders bei internationalen Anbietern).
- Die Sorge, dass Apps Konflikte verstärken könnten, wenn Eltern sie als „Kontrollinstrument“ missbrauchen.
- Die Annahme, dass analoge Lösungen (z. B. Betreuungsverträge) für viele Familien ausreichen.
Quelle: DJI, „Beratungspraxis bei Trennung und Scheidung“ (2021), Stichprobe: 500 Jugendamtsmitarbeitende.
Internationale Vergleiche: Wo stehen wir im Vergleich?
In Ländern wie den USA, Kanada oder Großbritannien sind Co-Parenting-Apps weiter verbreitet – nicht zuletzt, weil Gerichte sie in hochstrittigen Fällen verordnen können. Hier einige Zahlen:
| Land | Nutzungsrate (geschätzt) | Wichtigste Gründe für Nutzung | Häufigste Apps |
|---|---|---|---|
| USA | 25–30 % | Gerichtliche Anordnung, hohe Konfliktquote | OurFamilyWizard, TalkingParents |
| Kanada | 20–25 % | Förderung durch Familiengerichte, Mediationsprogramme | 2houses, AppClose |
| Großbritannien | 15–20 % | Empfehlungen von Solicitors (Anwälten) | Amicable, Cozi |
| Deutschland | 10–15 % | Komplexe Betreuungsmodelle, räumliche Distanz | hetito, 2houses, Familienkalender |
Quelle: Vergleichsstudie „Digital Co-Parenting“ (2023), University of Oxford; Umfragen lokaler Familienverbände.
Warum ist die Nutzung in Deutschland niedriger?
- Kulturelle Unterschiede: In den USA oder Großbritannien werden Apps oft als „neutrale Instanz“ gesehen, die vor Gericht als Beweismittel dienen kann. In Deutschland bevorzugen viele Eltern persönliche Absprachen oder die Vermittlung durch Jugendämter.
- Rechtliche Rahmenbedingungen: In Deutschland gibt es keine gerichtliche Verpflichtung, eine App zu nutzen – anders als in einigen US-Bundesstaaten, wo Richter:innen Apps in strittigen Fällen vorschreiben können.
- Kosten: Viele internationale Apps sind Abonnement-basiert und teurer als deutsche Alternativen wie hetito, die oft mit einmaligen Zahlungen arbeiten.
Wer nutzt Co-Parenting-Apps – und wer nicht?
Typische Nutzer:innen
Aus den verfügbaren Daten und Erfahrungsberichten lassen sich folgende Muster ableiten:
- Eltern mit Wechselmodell oder komplexen Betreuungsrhythmen (z. B. 2-2-5-5): Hier helfen Apps wie hetito, den Überblick über Übergaben, Ferien oder Ausgaben zu behalten.
- Eltern mit hoher räumlicher Distanz: Wenn ein Elternteil in einer anderen Stadt oder im Ausland lebt, werden digitale Tools zur „Brücke“ für Absprachen.
- Eltern mit Konflikten, aber grundsätzlicher Kooperationsbereitschaft: Apps können helfen, emotionale Gespräche zu reduzieren, indem sie klare Strukturen vorgeben (z. B. Anfragen mit Ja/Nein-Option).
- Jüngere Eltern (unter 40): Sie sind digitalaffiner und nutzen eher Apps als ältere Generationen.
Warum nutzen viele Eltern keine Apps?
Die Gründe sind vielfältig:
- „Es läuft auch so“: Wenn die Kommunikation zwischen den Eltern funktioniert, sehen viele keinen Bedarf für eine App.
- Misstrauen gegenüber Technik: Manche Eltern befürchten, dass Daten missbraucht werden könnten oder dass die App Konflikte dokumentiert, die später gegen sie verwendet werden.
- Fehlende Kenntnis: Viele Eltern wissen nicht, dass es spezielle Co-Parenting-Apps gibt – oder verwechseln sie mit allgemeinen Kalender-Apps.
- Emotionale Hürden: Für manche Eltern fühlt sich die Nutzung einer App an, als würden sie „die Kontrolle abgeben“ oder zugeben, dass die Trennung „schiefgelaufen“ ist.
- Kosten: Auch wenn hetito mit einmaligen Zahlungen arbeitet, scheuen manche Eltern zusätzliche Ausgaben.
Wie könnte sich die Nutzung in Zukunft entwickeln?
Experten gehen davon aus, dass die Nutzung von Co-Parenting-Apps in Deutschland langsam steigen wird – aus folgenden Gründen:
- Zunahme von Wechselmodellen: Immer mehr Eltern teilen sich die Betreuung paritätisch (50/50). Das erhöht den Koordinationsbedarf und macht digitale Tools attraktiver.
- Digitalisierung der Jugendämter: Einige Jugendämter beginnen, Apps wie hetito in Beratungsgespräche nach § 17 SGB VIII einzubinden – etwa für Eltern, die Schwierigkeiten mit der Organisation haben.
- Generationenwechsel: Jüngere Eltern sind mit digitalen Tools aufgewachsen und nutzen sie selbstverständlicher als ältere Generationen.
- Pandemie-Effekt: Die Erfahrung mit Homeoffice und digitaler Kommunikation während der Corona-Zeit hat gezeigt, dass auch sensible Themen online organisiert werden können.
Allerdings gibt es auch Grenzen: Apps können keine Konflikte lösen, die auf tiefen emotionalen Verletzungen beruhen. Hier bleiben Mediation oder Beratung durch Fachkräfte unverzichtbar.
Fazit: Apps sind ein Werkzeug – kein Allheilmittel
Co-Parenting-Apps wie hetito sind kein Muss, aber ein nützliches Werkzeug für Eltern, die ihren Alltag strukturieren möchten. Die aktuellen Zahlen zeigen:
- In Deutschland nutzen etwa 10–15 % der getrennt erziehenden Eltern eine Co-Parenting-App.
- Die Nutzung hängt stark von Betreuungsmodell, Konfliktlevel und digitaler Affinität ab.
- Apps ersetzen keine Kommunikation, aber sie können helfen, Streitpunkte zu reduzieren – etwa durch klare Anfragen oder nachvollziehbare Protokolle.
Wer unsicher ist, ob eine App wie hetito passt, kann sie kostenlos testen oder sich beim Jugendamt beraten lassen. Wichtig ist: Es gibt keine „richtige“ Lösung – Hauptsache, die Kinder erleben Stabilität und Klarheit im Alltag.
Zusammenfassung der wichtigsten Zahlen - Deutschland: 10–15 % der getrennt erziehenden Eltern nutzen Co-Parenting-Apps (Schätzung basierend auf Studien). - 12 % der Eltern in einer Studie der Universität Bielefeld (2022) nutzten eine App. - 70 % der Jugendamtsmitarbeitenden kennen Apps, aber nur 20 % empfehlen sie aktiv (DJI, 2021). - International: In den USA nutzen 25–30 % der Eltern Co-Parenting-Apps, in Großbritannien 15–20 %.
Vergleich: Co-Parenting-App vs. klassische Methoden
| Kriterium | Co-Parenting-App (z. B. hetito) | Klassische Methoden (Kalender, Zettel, Messenger) |
|---|---|---|
| Übersichtlichkeit | Hoch (zentrale Plattform für Kalender, Ausgaben, Dokumente) | Mittel (mehrere Tools nötig) |
| Nachvollziehbarkeit | Hoch (Protokollfunktion, keine nachträglichen Änderungen) | Gering (manuelle Einträge, keine Dokumentation) |
| Konfliktpotenzial | Gering (klare Anfragen, weniger direkte Kommunikation) | Hoch (Missverständnisse möglich) |
| Kosten | Einmalig oder Abo (je nach Anbieter) | Meist kostenlos |
| Datenschutz | Hoch (DSGVO-konform, z. B. bei hetito) | Variiert (Messenger oft unsicher) |
| Flexibilität | Hoch (Anpassung an Betreuungsmodelle) | Gering (starre Systeme) |
| Emotionale Hürde | Mittel (manche Eltern fühlen sich kontrolliert) | Gering (vertraute Methoden) |
Quelle: Eigene Darstellung basierend auf Studien und Nutzerfeedback.


